Das Wetter und der Mensch …

Wer von uns kennt das nicht? Im Sommer sind alle gut gelaunt, die Arbeit geht einem bei schönem Wetter scheinbar leichter von der Hand und man ist einfach besser drauf. Doch ist das wirklich so? Hier hab ich sieben interessante und erstaunliche Fakten über das Wetter für Euch gesammelt.

Seit wann gibt es die Wetteraufzeichnung?

Diese Frage lässt sich nicht explizit beantworten. In Deutschland zeichnet seit 1781 das Meteorologische Observatorium Hohenpeißenberg in der Nähe von München ohne Unterbrechung das Wetter auf und gilt somit als die älteste Bergwetterwarte der Welt. Dagegen wird erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts im europäischen Raum halbwegs flächendeckend die tägliche Wetterbeobachtung notiert. Manche Städte zeichnen das Wetter seit 150 Jahren auf, andere dagegen erst seit 50 Jahren.

Wie schnell fallen Regentropfen auf die Erde?

Die Fallgeschwindigkeit von Regentropfen ist von ihrer Größe abhängig. Sprühregentropfen zum Beispiel fallen mit einer Geschwindigkeit von zirka 0,25 bis 2 m/s (Meter pro Sekunde) zu Boden. Mit zunehmender Größe der Tropfen nimmt logischer Weise auch die Geschwindigkeit weiter zu. Wenn allerdings die Tropfen so groß werden, dass sie immer mehr ihre Kugelform verlieren, so wird auch der Luftwiderstand immer stärker. Ab einem Durchmesser von etwa vier Millimetern nimmt dann die Geschwindigkeit kaum noch zu, egal, wie groß ein Tropfen wird. So große Tropfen weißen dann eine Fallgeschwindigkeit von etwa 9 m/s auf.

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Beeinflusst das Wetter unser Konsum- und Flirtverhalten?

Ja! Zu diesem Ergebnis kamen Psychologen durch verschiedene Studien. So geben Menschen bei gutem Wetter zum Beispiel mehr Trinkgeld, als bei Regen oder Kälte, und die Morgensonne lässt zudem die Börsenkurse steigen. Auch Flirtversuche etwa versprechen an sonnigen Tagen mehr Erfolg, als an trüben und verregneten. Das fand 2013 der Sozialpsychologe Nicolas Guéguen von der Université de Bretagne-Sud in Vannes heraus. Bei wolkenlosem Himmel lag die Erfolgsquote seiner männlichen Flirtprobanden mit 22 Prozent höher, als bei einem wolkenbedeckten Himmel, an dem nur 14 Prozent der jungen Frauen ihre Nummer verraten wollten. Guéguen schließt daraus, dass Sonnenschein unsere Stimmung hebt und wir deshalb aufgeschlossener für Kontaktversuche sind.

Sind die Menschen bei gutem Wetter hilfsbereiter?

Auch dieser Frage ging Nicolas Guéguen nach und fand heraus, dass Menschen sich bei schönem Wetter spontan hilfsbereiter zeigen. In seinem Experiment hoben bei Sonnenschein die meisten Passanten auf der Straße einen scheinbar unbemerkt fallengelassenen Geldschein auf und gaben ihn zurück. Bei schlechterem Wetter sank diese Hilfsbereitschaft merklich.

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Gibt es das Phänomen der Wetterfühligkeit?

Australische Forscher haben in den letzten Jahren vermehrt an den Zusammenhängen zwischen Temperatur, Niederschlag, Windstärke, Windrichtung, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck sowie den scheinbar damit verbundenen Unpässlichkeiten geforscht. Laut den Ergebnissen beeinflusst aber keines der genannten Parameter das Schmerzempfinden auf bedeutsame Weise. Vielmehr sei das Phänomen der Wetterfühligkeit eine emotionale und subjektive Empfindung eines jeden Menschen.

Beeinflusst das Wetter unser Gedächtnis?

Bei schlechtem Wetter können wir uns verschiedene Dinge besser merken. Zu diesem Ergebnis kam Joseph Forgas von der Universität von New South Wales in Australien. In einem Experiment sollten sich 73 teilnehmende Personen nach einem Einkauf in einem Kiosk an zehn Dinge aus dem Kassenbereich erinnern. Der Versuch wurde bei regnerischem und bei sonnigem Wetter durchgeführt. Das Ergebnis zeigte, dass sich die Käufer an Unwettertagen an bis zu drei mal mehr Dinge erinnern konnten, als an Tagen mit schönem Wetter. Forgas und sein Team sind der Meinung, diesen Effekt mit der Laune, die das Wetter bei uns Menschen auslöst, erklären zu können. Kurz gesagt, ist man schlecht gelaunt, betrachtet man seine Umgebung kritischer und genauer und kann sich deshalb mehr Details einprägen. Gut gelaunte Menschen hingegen finden solche Details wohl weniger wichtig.

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Steigt bei gutem Wetter die Unpünktlichkeit?

Der US-Psychologe Roland E. Mueser fand heraus, das dem wirklich so ist. Über einen Zeitraum von drei Monaten notierte er sich, wann die Ingenieure eines Forschungslabors zur Arbeit erschienen und stellte folgendes fest: Nicht etwa bei schlechtem Wetter kamen sie später aus dem Bett, sondern umso sonniger das Morgenlicht war, desto unpünktlicher wurden die Probanten.

Text: Boris Mönnich
Bilder: Pixabay

Erstveröffentlichung: top magazin Stuttgart 2017

Wer hat an der Uhr gedreht?

The same procedure as every year“ heisst es nicht nur zu Silvester, sondern auch bei den jährlichen Zeitumstellungen. Am 29. März ist es wieder soweit: Da werden die Uhren in der Nacht von Samstag auf Sonntag von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Und obwohl rund 73 Prozent der Deutschen dieses Ritual für überflüssig halten und sich die meisten Uhren heutzutage ja selber umstellen, gibt es hier einige interessante Fakten dazu.

Wer hat’s erfunden?

Über den ganz genauen Ursprung der Sommerzeit ist man sich heutzutage nicht mehr hundertprozentig sicher. Allgemein gilt aber der Brite William Willst als Erfinder der Sommerzeit. Die Idee kam ihm angeblich bei einem seiner frühmorgendlichen Ausritte, als er bemerkte, dass an sämtlichen Häusern noch die Rollläden geschlossen waren. In seiner Schrift „The Waste of Daylight“ schlug er deshalb 1907 vor, die Uhren jeweils im Sommer vorzustellen. Auf diese Weise sollte man das Tageslicht am Abend noch besser nutzen und Beleuchtungskosten sparen können.

Spart die Sommerzeit wirklich Energie?

Es ist umstritten, ob die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit wirklich einen stromsparenden Effekt hat. Eine Untersuchung des Energieverbrauchs in privaten Haushalten im US-Bundesstaat Indiana ergab 2008 sogar einen leichten Anstieg. Schuld daran waren ein erhöhter Heizbedarf in den Morgenstunden und ein Mehrverbrauch durch Klimaanlagen in den Abendstunden. Und auch in Deutschland wurde bisher kein Energiespar-Effekt festgestellt, wie das Umweltbundesamt schon in 1990er Jahren feststellte.

Seit wann gibt es überhaupt die Sommerzeit?

Erstmals eingeführt wurde die Sommerzeit mitten im Ersten Weltkrieg, allerdings nur vorübergehend: Im Jahr 1916 gingen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn zur Sommerzeit über, um durch die Nutzung des natürlichen Tageslichts Energie zu sparen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland noch verschiedene lokale Zeiten, die sich am Stand der Sonne orientierten.

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Welche Länder stellen ebenfalls die Uhren um?

Die meisten europäischen Länder kennen die Sommerzeit, ebenso beinahe alle US-Bundesstaaten. Russland schaffte die Zeitumstellung im Jahr 2011 ab und führte bis zum Oktober 2014 die permanente Sommerzeit ein. Dann wurde wieder auf eine permanente Normalzeit umgestellt.

Welche ist die „richtige“ Zeit?

Die Sommerzeit wird offiziell als „Mitteleuropäische Sommerzeit“ bezeichnet (MESZ) und ist eine Abweichung von der Normalzeit (die manchmal auch als „Winterzeit“ bezeichnet wird, was aber zumindest offiziell nicht korrekt ist).

Die „Sommerzeit in der Sommerzeit“.

Für viele Menschen ist die jährliche Umstellung von Winter- auf Sommerzeit schon verwirrend genug. Doch es geht noch verwirrender: Zwischen 1947 und 1949 gab es nämlich in Deutschland eine sogenannte „Hochsommerzeit“. Vom 11. Mai bis zum 29. Juni wurden damals die Uhren um eine weitere Stunde vorgestellt.

Beeinflusst die Zeitumstellung den menschlichen Körper?

Erwiesenermaßen bringt die Zeitumstellung unseren Biorhythmus durcheinander. Das liegt am Hormon Melatonin, welches den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Seine Ausschüttung passt sich der Zeitumstellung mit einer gewissen Verzögerung an. Dabei fordert die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit den menschlichen Körper mehr, als jene im Herbst, weil man plötzlich früher aufstehen muss. Zum Glück gewöhnen wir uns allerdings in der Regel schnell daran. Währenddessen besteht aber ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko: In deutschen Ambulanzen werden laut verschiedener Krankenkassen in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung über 20 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden verzeichnet. Besonders Frauen und ältere Menschen sind dabei gefährdet. Zusätzlich soll es laut diverser Studien zu rund acht Prozent mehr Verkehrsunfällen kommen.

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Beeinflusst die Zeitumstellung auch die Tiere?

Zumindest bei den Kühen ist das so. Diese geben etwa zehn Prozent weniger Milch. Nach rund einer Woche haben sich die Wiederkäuer aber  an die neue Situation gewöhnt und die Milchleistung ist die selber, wie davor.

Wie handhabt die Deutsche Bahn die Zeitumstellung?

Wenn ein Zug in der Nacht über die Stunde der Zeitumstellung hinweg unterwegs ist, kommt der Fahrplan gehörig durcheinander. In Deutschland halten die betroffenen Züge deshalb an einem Bahnhof auf ihrer Route oder vor dem nächsten Streckensignal und warten eine Stunde, um so pünktlich anzukommen. Wenn im Fahrplan eine Abfahrt zwischen 2 Uhr und 3 Uhr vorgesehen ist, müssen zwei Züge starten – jeweils einer nach neuer und alter Zeit. 

Text: Boris Mönnich
Fotos: Pixabay

Erstveröffentlichung: top magazin Stuttgart 2017

Lachen für ein gesundes Leben

Lachen ist Balsam für Körper und Seele – gerade in solch einer kruden Zeit wie jetzt. Das Corona-Virus hält die Welt fest in seiner Umklammerung, nichts in unserem alltäglichen Leben ist mehr, wie es war. Und wie lange das geht, weiß leider keiner von uns. Trotz all dieser Umstände sollten wir gerade jetzt mehr lachen. Denn dass das eine positive Auswirkung auf unser Leben und sogar heilende Wirkung haben kann, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Leider nutzen die meisten Menschen diese natürliche Medizin viel zu wenig. In diesem Artikel zeige ich E

Das Sprichwort „Lachen ist die beste Medizin“ kommt nicht von ungefähr. Was der Volksmund schon lange behauptet, beweisen aktuell auch immer mehr wissenschaftliche Studien. In der Lachforschung, der sogenannten Gelotologie, werden seit dem Ende der 1960er Jahre die Auswirkungen des Lachens auf die körperliche und psychische Gesundheit des Menschen untersucht. In zahlreichen Studien brachten seit dem  Wissenschaftler unterschiedliche Testpersonen zum Lachen und untersuchten die Blutwerte davor, währenddessen und danach. Dabei wurden einige erstaunliche Reaktionen des Immunsystems festgestellt. Es konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass Lachen die Menschen so positiv beeinflusst, dass sie mit einer vermehrten Produktion ihrer Abwehrkräfte reagieren. Einige Forscher sehen im Lachen auch eine Funktion für das allgemeine soziale Miteinander, die sich bei unseren Vorfahren als sozialisierendes Element entwickelt hat. So lachen Babys und Kinder im Schnitt 400 Mal am Tag, meist grundlos. Erwachsene lassen sich dagegen nur zu etwa 15 bis 20 Lachern pro Tag hinreisen.

Lachen fördert die Gesundheit

Der Begriff Gelotologie stammt übrigens aus dem Griechischen, wobei „Gelos“ soviel wie „Gelächter“ bedeutet. Aktuell beschäftigen sich weltweit über 250 Gelotologen in wissenschaftlich fundierten Studien mit den Auswirkungen des Lachens auf den Gesundheitszustand des Menschen. Laut Dr. William Fry, seines Zeichens Neurologe an der Stanford Universität in Kalifornien, steigert das Lachen den Gasaustausch in der Lunge um das Drei- bis Vierfache gegenüber dem Ruhezustand. Fry, der oft als der „Vater der Gelotologie“ bezeichnet wird, konnte beweisen, dass Lachen zu einer gesunden Stimulation und tiefen Entspannung führt. Ausserdem fand der Neurologe heraus, dass eine Minute lachen eine ähnliche Wirkung besitzt wie zehn Minuten rudern oder 15 Minuten joggen. Fry konnte auch beweisen, dass beim Lachen Glückshormone, die sogenannten Endorphine, ausgeschüttet werden, welche die Risiken von Erkrankungen der Atemwege verringern können. Zudem ist Lachen ein hervorragender Stresskiller und soll sogar gegen Verstopfung, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit helfen. Studien der Gelotologie ergaben zudem, dass Schmerzpatienten eine deutliche Erleichterung erfahren, die mehrere Stunden anhalten kann, wenn sie nur ein paar Minuten lang lachen. Daher beschäftigen sich immer mehr Psychologen und Mediziner mit der therapeutischen Anwendung von Humor und Lachen in Kliniken während einer Therapie. Einer von ihnen, und der wohl bekannteste, ist der amerikanische Arzt Dr. Hunter „Patch“ Adams. Seiner Meinung nach ist für eine erfolgreiche medizinische Behandlung mehr Humor nötig, weshalb er seinen Patienten Lachen sogar kostenfrei verschrieb. Daraus entwickelte sich 1985 die Bewegung der Klinik-Clowns, die seit Jahren auch in Europa schwerkranke Patienten jeden Alters am Krankenbett besuchen, um sie mit Lachen aufzumuntern und abzulenken. Aber auch wenn Lachen gut für die Gesundheit ist, stimmt es leider nicht, dass man dadurch mehr Kalorien verbrennt, als zum Beispiel beim Laufen. Zwar erhöht Lachen die Herzfrequenz und den Energieverbrauch um zehn bis 20 Prozent, trotzdem werden dadurch leider nur zwischen zehn und 40 Kalorien verbrannt, wenn man es ganze 15 Minuten tut. Somit müsste man also drei Stunden lang heftig lachen, um eine ganze Packung Chips zu verbrennen. 

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Auswirkungen des Lachens auf den Körper 

Wenn wir lachen, werden rund 300 Muskeln vom Kopf bis zum Bauch angespannt, allein 17 davon im Gesicht. Doch richtiges Lachen will gelernt sein und stellt ähnlich hohe Anforderungen an den Menschen, wie Leistungssport. Das hat wohl jeder von uns schon mal zu spüren bekommen, zum Beispiel morgens durch den Muskelkater in der Bauchregion, verursacht durch einen lustigen Abend, an dem viel und ausgiebig gelacht wurde. Beim Lachen erhöht sich die schnellere Atmung und das Zwerchfell spannt sich an, wodurch sich die Lungenflügel ausdehnen. Wenn wir dann lauthals loslachen, pressen wir den Atem stoßartig mit bis zu 100 Stundenkilometern aus der Lunge heraus. Beim Lachen nimmt die Lunge viel Luft auf und der Sauerstoff gelangt so in die roten Blutkörperchen. Da das Herz dadurch schneller schlägt und das sauerstoffreiche Blut somit schneller durch den Körper gepumpt wird, befindet sich unser Organismus für ein kurze Zeit in einem sehr aktiven Zustand. Der Stoffwechsel wird angeregt und nach dem Lachanfall entspannt sich der Körper wieder. Die Arterien weiten sich, der Blutdruck sinkt wieder und es folgt eine wohltuende Entspannung. Aus diesem Grund wird lachen auch medizinisch eingesetzt, indem Herzinfarktpatienten unter ärztlicher Aufsicht lachen. Dadurch wird der Blutdruck verringert und somit sinkt die Gefahr eines erneuten Infarktes. Doch auch gegen solche banalen Dinge wie die Frühjahrsmüdigkeit ist Lachen ein wirksames Mittel, fanden Forscher heraus. Ihren Studien nach soll eine Minute lachen ebenso erfrischend wirken, wie ein 45 minütiges Entspannungstraining. 

Ist Lachen wirklich ansteckend?

Doch auch für gesunde Menschen lohnt es sich, häufiger mal zu lachen, denn es lässt einen sympathischer und offener auf seine Mitmenschen wirken. Daher ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gesellschaftlich verpönt war, zu lachen. Und besonders beim weiblichen Geschlecht galt damals dieses „sich-gehen-lassen“ als moralisch verwerflich. Zum Glück ist das heutzutage anders – da gilt Lachen sogar als ansteckend. Denn egal, ob man einen Menschen auf einem Foto lachen sieht, oder man jemanden hört, der es lauthals tut, möchte man es am liebsten auch tun. Selbst dann, wenn man den Grund gar nicht kennt. Doch warum hat Lachen eigentlich so eine ansteckende Wirkung auf uns? Britische Forscher haben das untersucht und konnten beweisen, dass allein das Geräusch ausreicht, um die Gesichtsmuskeln automatisch auf das Mitlachen vorzubereiten. Denn für die Bewegungsabläufe des Körpers ist ein bestimmtes Areal der Hirnrinde, der so genannte prämotorische Cortex, zuständig, welcher auch das menschliche Lachen steuert. Diese Bewegungsregion in der Hirnrinde wird auch aktiviert, wenn wir jemanden lachen hören. Das Gehirn sendet dann eine Antwort auf den gehörten Reiz, indem es die positiven Emotionen, die dieser auslöst, widerspiegelt. Und das äußert der Körper bewegungstechnisch gesehen mit Lachen. Man könnte also sagen, unser Gehirn sendet bestimmte Signale an den Körper aus, die zum Mitlachen auffordern und die man nur äußerst schwer unterdrücken kann. Doch genau dieser Zwang zum Mitlachen ist es, der für uns Menschen positive, aber durchaus auch negative Momente bereit hält. Denn wird man zum Lachen animiert, kann das durchaus schöne, glückliche und herzerfrischende Gefühle in uns auslösen. Allerdings passiert das leider auch immer wieder in Situationen, in denen ein Lachen gerade überhaupt nicht angebracht oder erwünscht ist. 

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Lachen stärkt die eigene Psyche

Andererseits gibt es Situationen im Leben, in denen jeder von uns mehr lachen sollte. Morgens aufzustehen gehört beispielsweise zu den unangenehmsten Tätigkeiten des Tages. Wer noch halb verschlafen mit zerzausten Haaren und einem zerknitterten Gesicht vor dem Spiegel steht, sollte sich gezielt ein Lächeln schenken. Oder auch dann, wenn man einen dieser verflixten Tage erwischt hat, an denen gar nichts klappen will und man deswegen einfach schlecht gelaunt ist. Laut den Ergebnissen einer Studie, die Psychologen der University of Alaska veröffentlicht haben, hat es einen positiven Effekt auf unsere Stimmung, wenn wir uns in diesen Situationen selbst ein Lächeln im Spiegel schenken, um uns zu motivieren. Dieser Trick funktioniert nach einer Methode, die man Embodiment nennt und ist ganz einfach zu erklären: Mit unserer Körperhaltung und Mimik können wir unsere Stimmungslage gezielt beeinflussen. Studien zeigen, dass man mit einer selbstbewussten Pose und einem Lächeln sich selbst und sogar sein Gehirn auf gute Laune programmieren kann. Ohne einen Spiegel ist dieser Effekt jedoch nur halb so stark, das Lächeln sollte außerdem natürlich und überzeugend sein. Einen weiteren, sehr schönen Nebeneffekt des Lachens bewies Professor Bob Levenson, Psychologe an der Universität Berkley. In einer Versuchsreihe ließ er verschiedene Paare sensible und schwierige Themen miteinander diskutieren. Und siehe da, diejenigen, die in den Gesprächen während der Diskussionen lachten oder lächelten, fühlten sich nicht nur sofort besser, sondern waren auch insgesamt mit ihrer Beziehung zufriedener und blieben dementsprechend auch länger zusammen. Somit ist Lachen also eine Emotion, die wir mit Menschen teilen können, welche uns nahestehen. Dadurch lassen wir nicht nur den Anderen an schönen Momenten und glücklichen Situationen teilhaben, sondern bieten ihm auch in schwierigen Lagen Unterstützung und Hilfe. Ebenso führt lachen zu einer veränderten Sicht der Dinge. Bestehende Gedankenmuster werden aufgelockert und ermöglichen das Betrachten der eigenen Situation aus einer anderen Sichtweise. Durch diesen neuen Blickwinkel wird es möglich, eine als belastend empfundene Situation zu überdenken und somit neue Lösungsansätze für ein bestehendes Problem zu finden. Auch haben Menschen, die viel lachen, andere soziale Bezüge und besondere spezifische Interaktionen zu ihrer Umwelt. Positiv veranlagte Personen reagieren also auch auf ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse anders, als pessimistische Menschen.

Die verschiedenen Arten des Lachens

Warum wir lachen, kann eine Vielzahl an Bedeutungen haben: Dass wir etwas lustig finden, ist nur ein Grund von vielen. Wir lachen aber auch, weil wir höflich sind, ängstlich und nervös oder weil wir gekitzelt werden. Auch kann lachen ein Anzeichen für sexuelle Erregung sein, ebenso wie für Aggression.  Einige Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass es nur ein „vollkommenes Lachen“ gibt, das sogenannte Grundlachen. Bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts versuchen deutsche Ausdruckspsychologen das Lachen und die daraus resultierenden Formen zu deuten und zu erklären. Aufgrund ihrer persönlichen Beobachtungen unterscheiden sie gewöhnliches, brüllendes, herzhaftes, selbtsgefälliges, verzerrtes, unterdrücktes und schadenfrohes Lachen. Zu letzterem gehört auch das sardonische Lachen. Der Ausdruck stammt übrigens von der italienischen Insel Sardinien und bezeichnet ein schmerzhaftes und grimmiges Lachen.

Lachkurse liegen voll im Trend

„Ein kleines Lächeln tut so gut, drum gebrauch es drei mal täglich!“ Dieses alte Sprichwort kennen wohl die meisten Menschen. Dass aus so einem kleinen Lächeln aber auch sehr schnell ein richtiger Lachflash werden kann, beweist ein aktueller Trend – das sogenannte Lachyoga. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus simplen Atem- und gezielten Lachübungen, die den gesamten Körper in Schwung bringen. Komplett ohne äußeren Anreiz bringen sich die Menschen in solchen Lachkursen ganz von selbst in die positive Stimmung. Manchmal wird daraus sogar ein richtiger Lachrausch. Vor über 20 Jahren bereits erfand der indische Arzt Dr. Madan Kataria diese ungewöhnliche Methode. Jeden Morgen traf er sich mit einigen Freiwilligen in einem Park in Bombay, wobei er anfangs nur Witze erzählte, bis er dann auf die Idee kam, seine Yogaübungen mit dem Lachen zu verbinden. Heutzutage gibt es rund 100 Lachclubs bundesweit, ein Lachyogaverband bildet sogar professionelle Lachtrainer aus. Auch an zahlreichen Volkshochschulen in Deutschland werden mittlerweile Lachkurse und -seminare angeboten.

Lachen für den Weltfrieden

Doch nicht nur das Lachyoga verdanken wir Dr. Madan Kataria, sondern auch den Weltlachtag, der 1998 zum ersten Mal zelebriert wurde. Durch das gemeinsame Lachen sollen seit dem weltweit Brüderlichkeit und Freundschaft unter allen Völkern der Erde erreicht werden. Gefeiert wird dieser Tag ganz einfach: Punkt 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen sich Mitglieder aus verschiedenen Lachclubs auf der ganzen Welt, um gemeinsam drei Minuten lang zu lachen. Natürlich sind dazu aber alle Menschen willkommen, die interessiert sind oder einfach gerne mitlachen möchten. Hintergrund des Weltlachtages ist nicht einfach nur das gemeinsame Lachen, vielmehr soll damit auch ein gemeinsames Zeichen für den Frieden gesetzt werden. Aus diesem Grund wird auf den Veranstaltungen auch für Freiheit und Frieden gebetet. Ein sehr wichtiger Aspekt des Weltlachtages ist, dass es keinen Grund zum Lachen gibt. Laut Dr. Katarias Theorie ist es völlig irrelevant, wieso gelacht wird. Die Wirkung des Lachens trete dennoch ein, da lachen als ein angeborenes Ausdrucksverhalten des Menschen gilt. Der erste Weltlachtag, an dem sich rund 12.000 Mitglieder lokaler und internationaler Lachclubs beteiligten, fand im indischen Mumbai statt. Und alle, die dieses Jahr gerne mitlachen möchten, können dies am Sonntag, den 3. Mai tun.

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Die positiven Auswirkungen des Lachens auf einen Blick

– Es werden Glücksbotenstoffe im Gehirn aktiviert, die Auswirkung auf unser Wohlbefinden haben.

– Die Immunabwehr wird stimuliert und so bestimmte Selbstheilungskräfte aktiviert.

– Lachen wirkt entspannend und baut Stresshormone ab.

– Die Schmerztoleranz wird erhöht. 

– Lachen bringt neue Energie und steigert die Sauerstoffaufnahme des Blutes.

– Das Lungenvolumen erweitert sich, dadurch wird der Gasaustausch bei der Atmung erhöht.

– Eine Minute lachen ersetzt 10 Minuten joggen oder 15 Minuten rudern.

– Das Herz-Kreislauf-System wird aktiviert und somit wird die Durchblutung der Muskulatur gefördert.

– Lachen wirkt anregend auf den Stoffwechsel.

– Die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit wird gesteigert.

– Lachen fördert Kreativität, Kommunikation und Motivation gleichermaßen.

– Zwischenmenschliche Beziehungen werden verbessert und somit soziale Kontakte gefördert.

– Konfliktpotential wird reduziert und dadurch bestimmte Sichtweisen verändert.

– Lachen verstärkt die Lebensfreude.

– Störungen wie Depressionen, Angst und Schlafstörungen können positiv beeinflusst werden.

In diesem Sine: bleibt gesund und KEEP ON LAUGHING!

Text: Boris Mönnich
Fotos: Pixabay / Klaus Schnaidt

Die Kunst des Erholens

Im Normalfall ist es so, dass sich unser Organismus nach einer körperlichen oder geistigen Anstrengung fast von selbst erholt. Dafür müssen wir ihm nur ausreichend Gelegenheit geben. Aber was heißt eigentlich „nur“, und wie viel ist überhaupt „ausreichend“?. In diesem Blogbeitrag verrate ich Euch, wie Ihr Euch richtig erholt und welche Dinge Ihr beachten müsst, damit sich der Köper quasi von selbst wieder regeneriert.

Leider gilt Stress heutzutage als angesagt! Denn wer viel arbeitet, hat viel zu tun, gilt somit als ein wichtiger Leistungsträger in unserer Gesellschaft und wird deshalb bei Familie, Freunden und Kollegen höher angesehen. Wie bei so vielen anderen Dingen gibt es auch beim Stress unterschiedliche Arten. Laut Dr. Hans Seyle, der als „Vater der Stressforschung“ gilt, unterscheidet die Medizin zwischen dem positiven Eustress und dem negativen Distress. Letzterer ist es, der heutzutage überwiegt und viele von uns krank macht. Dagegen hilft meist nur ein paar Gänge herunterzuschalten und sich ausreichend zu erholen. Doch der Weg zur Erholung sieht für jeden Menschen sehr unterschiedlich aus. So ist Erholung für den einen Sport oder Bewegung an der frischen Luft, für den anderen ist Ruhe, Lesen oder einfach Nichtstun das beste Mittel, um wieder zu Kräften zu kommen. Wieder andere dagegen finden ihren erholsamen Ausgleich in einem kreativen Hobby. Aber egal, wie unterschiedlich die Wege der Erholung sind, das Ziel ist immer das selbe: Nämlich die Rückgewinnung unserer verbrauchten Kräfte. Denn ohne ausreichende Erholung können wir unsere verbrauchten Kräfte nicht wieder mobilisieren, und unsere volle Leistung nicht auszuschöpfen, wenn es drauf ankommt – sowohl im Privatleben, als auch im Beruf. Und nicht nur das: Langfristig kann mangelnde Erholung sogar eine ernste Gefahr für die Gesundheit und die berufliche Tätigkeit werden. Vor allem, seit wir durch die elektronischen Medien quasi immer und überall erreichbar sind, und nie zu 100 Prozent abschalten können, haben die psychischen Erkrankungen deutlich zugenommen.

Die Definition von Erholung

Unter dem Begriff Erholung wird, wie bereis erwähnt, die Rückgewinnung verbrauchter Kräfte bzw. die Wiederherstellung unserer Leistungsfähigkeit verstanden. Auf welchem Weg diese Leistungsfähigkeit wiederhergestellt wird, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Eines ist dagegen sicher: Jegliche Art von Arbeit beansprucht sowohl körperliche als auch psychische Ressourcen. Jede Arbeit führt bei einer längeren Ausführung zur Erschöpfung. Besteht ausreichend Zeit, die leeren Speicher zu füllen, wird der Ausgangszustand wieder hergestellt und es kann von vorne losgehen. Höhere Arbeitsanforderungen, längere Arbeitszeiten sowie Kommunikationsdruck und eine Freizeit voller Termine und Verpflichtungen wirken nachteilig auf die Erholungszeiten. Wer sich dagegen unerholt in einen neuen Arbeitstag stürzt, bewältigt diesen nur mit doppeltem Energieaufwand. Die geforderte Arbeit kann nur mittels erhöhter Anstrengung erbracht werden. Wer diesen Kreislauf über längere Zeit nicht durchbricht, erlebt eine Beeinträchtigung von Gesundheit und Wohlbefinden. Diese beiden Attribute sind wichtige Voraussetzungen für unsere Leistungsfähigkeit. Laut aktuellen Studien im Bereich der Stressforschung sind erholte Menschen zufriedener mit ihrem Leben. Sie erfüllen ihre Aufgaben besser, zeigen mehr Eigeninitiative und Kreativität und nehmen Herausforderungen als weniger anstrengend wahr. Diese Effekte zeigen sich sowohl kurz- als auch langfristig. Denn wer morgens erholt ist, zeigt tagsüber eine bessere Leistung und wer sich am Wochenende gut erholt hat, ist in der nachfolgenden Woche besser in Form.

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Stressfaktor Urlaub

Doch wie gelingt es einem, sich richtig zu erholen? Stress abzubauen, in dem man im Urlaub oder in der Freizeit einfach nur faul rumliegt, klappt meistens nicht. Laut des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln hat man nach einem erholsamen, aber aktiven Urlaub bis zu zehn Wochen lang nachweisbar weniger Stresshormone im Körper und ist somit stressresistenter. Ebenso wird das Immunsystem gestärkt und ist widerstandsfähiger gegen Bakterien und Viren im Alltag. Doch was ist eigentlich ein erholsamer Urlaub? Aktiv, aber unspektakulär sollte die freie Zeit verbracht werden. Verbringt man seine Ferien beispielsweise in der Nähe der Heimat, dann hat man gute Chancen, sich zu entspannen, weil lange Flugreisen und die Umstellung auf eine andere Klimazone entfallen. Auch muss sich der Körper bei einem heimischen Urlaub nicht auf fremdes Essen einstellen. Denn wenn es bei einer Fernreise zu Darmproblemen und Durchfallerkrankungen kommt, erfährt der Körper dadurch beträchtlichen Stress, was wiederum den herbeigesehnten Erholungseffekt verhindert. Doch wie lange braucht der Köper eigentlich bis er sich richtig erholt hat? Man ging bisher davon aus, dass der Mensch drei Wochen dafür benötigt: Eine Woche für den Stressabbau und weitere 14 Tage für die Regeneration. Doch ob dem wirklich so ist, darüber sind sich Urlaubsforscher bis heute noch nicht zu 100 Prozent einig. 

Mindestens 15 Minuten Erholung jeden Tag

Allerdings vertreten immer mehr Stressforscher auch die Ansicht, dass sich Erholung nicht nur auf einen oder mehrere Urlaube im Jahr beschränken sollte. Vielmehr ist es sinnvoll, dass ausreichende Entspannung oder Entschleunigung jeden Tag stattfindet. Dafür sollte man sich mindestens 15 Minuten Zeit nehmen, diese sollten dann allerdings effektiv sein. Wichtig ist hierbei, dass wir uns darüber im Klaren sind, was uns eigentlich tagtäglich stresst, welche Dinge an unseren Kräften zehren und nach welcher Art Entspannung wir uns sehnen. Suchen wir Entspannung nach einem turbulenten Arbeitstag auf der Couch und lassen uns vom Fernseher berieseln, empfindet das der Körper zwar ebenfalls als Entlastung und Entspannung, doch der große Unterschied liegt im Ausmaß und der Geschwindigkeit mit der die ausgeschütteten Stresshormone abgebaut werden. Zwar fährt der Körper auch auf der Couch Atmung, Blutdruck und Herzschlag runter, doch die Muskulatur steht noch unter Spannung und die zuvor ausgeschütteten Stresshormone zirkulieren auch weiterhin im Körper. Erst durch Bewegung und Sport werden vermehrt Hormone wie Endorphine und Serotonin produziert, welche die Stresshormone neutralisieren. Am Besten eignen sich die sogenannten sanften Sportarten wie Yoga, Tai-Chi oder Chigong als Erfolgsfaktor gegen den Stress, ebenso spazieren gehen an der frischen Luft. Ausdauersportarten mit simplen Bewegungsmustern wie Joggen oder Schwimmen sind dagegen weniger erholungsfördernd. Den Grund sehen Stressforscher darin, dass wir bei eingeübten oder sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen immer noch die Gelegenheit haben, uns bewusst oder unbewusst, mit den täglichen Stressfaktoren zu beschäftigen.

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Positives Denken fördert die Erholung

Leider ist es so, dass das menschliche Gehirn stärker auf negative Dinge in unserem Leben reagiert, als auf positive. Dies liegt unter anderem daran, dass wir oft einfach zu überlastet sind oder die hohen Anforderungen in unserem Privat- und Berufsleben nicht genug durch Erholung ausgleichen können. Wer aber ausgeglichen und gelassen ist, reagiert anders auf schlechte Nachrichten. Er kann sie besser relativieren und sich davon auch besser erholen. Kurz gesagt, gleichen positive Gefühle die negativen in der Wirkung auf Körper und Geist aus. Allerdings ist die Wirkung der negativen Gefühle oft so stark, dass die positiven in einem Verhältnis von 3:1 überwiegen müssen.

Gesunder Schlaf ist der Ursprung für Erholung

Leider sind sich immer noch zu wenig Menschen der Tatsache bewusst, dass gesunder Schlaf ein unerlässlicher Faktor für Erholung und Regeneration ist, ebenso für Gesundheit, Wohlbefinden und Vitalität. Laut aktuellen Studien aus dem Bereich der Schlafforschung gibt es ein „normales“ Schlafmaß nicht. Großteils bestimmen Erbanlagen den Schlafbedarf, in der Regel sind aber sieben bis acht Stunden Schlaf optimal, damit sich Körper und Geist wieder erholen. Richtig erholsam wird der Schlaf aber nur dann, wenn auch die Außenbedingungen stimmen. So schläft es sich in einem völlig abgedunkelten Raum wesentlich besser, als in einem leicht oder stark erhellten. Auch laute Geräusche und Lärm können für einen schlechten Schlaf verantwortlich sein.  

Erholung durch soziale Kontakte

Soziale Beziehungen sind ein guter Stresspuffer, dienen der Erholung, fördern unsere Regeneration nach einer Krankheit und vieles mehr. Doch warum ist das so? Der amerikanische Neurowissenschaftler Robert Sapolsky untersuchte mit Hilfe von Blutproben den Stressspiegel von in der Serengeti lebenden Affen. Er fand folgendes heraus: Je mehr und dauerhaftere Freundschaften ein Affe hatte, umso so geringer war die Konzentration der Stresshormone in seinem Blut. Je mehr er sich um andere kümmerte und andere sich um ihn kümmerten, desto gesünder und entspannter war er. Diese Ergebnisse können auch auf uns Menschen bezogen werden und belegen, dass Freundschaften ein seit Jahrmillionen genetisch angelegtes wirksames Programm gegen die schädlichen Auswirkungen von Überlastung darstellen, welches wir von unseren Vorfahren übernommen haben. Persönliche und soziale Kontakte dienen der Entspannung also weit mehr, als E-mails, Textnachrichten oder Telefonate. 

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Erholungswirkung steigt deutlich in der Natur

Seit Jahren forschen Umwelt- und Gesundheitspsychologen über den Einfuss der Natur auf den Menschen und dessen Wohlbefinden. Und viele Studien zeigen, dass sich jegliche Form von Wasser sowie Wiesen und Wälder positiv auf die Psyche auswirken. Mittlerweile lässt sich auch belegen, dass unser Geist in der Natur erstaunlich schnell zur Ruhe kommt, danach gehen auch Puls und Blutdruck spürbar nach unten und unser Körper entspannt sich merklich. Doch keine Angst, aufs Land ziehen muss deshalb niemand. Es reicht schon, sich in seiner Freizeit so oft es geht in der Natur aufzuhalten, denn dann ist man hinterher auf jeden Fall wieder leistungsfähiger und vor allem erholter. 

Text: Boris Mönnich
Bilder: Pixabay / Boris Mönnich

 

Corona, Facebook und die ganzen Besserwisser!

Soooo, Leute, mir reicht’s langsam! Ich hab die Schnauze voll! Und zwar von diesen ewigen Besserwissern, die sich dieser Tage, vermehrter als sonst, auf Facebook, Instagram und Co. herumtreiben und ihren Senf zu Corona, Ausgangsbeschränkungen und der Situation im Allgemeinen dazugeben. Ja, die Lage in der ganzen Welt ist ernst, sehr ernst sogar und für jemanden wie mich, der weit nach 1945 geboren wurde, ist so ein Zustand extrem verstörend und beängstigend. Nicht nur die schiere Zahl der Todesopfer, die Covid-19 bis heute gefordert hat, ist über alle Maße hinaus erschreckend und traurig, nein, auch das Verhalten der Menschen. Und ich rede jetzt nicht von den ganzen Apokalyptikern, die die Supermärkte leer hamstern, sondern viel mehr von denen, die im Internet in den sozialen Netzwerken ihre Meinung kundtun – was ja generell okay ist – dabei aber so eingefahren sind, dass sie keine anderen Ansichten als die ihre gelten lassen.

Wie ich die letzten Tage beobachten konnte, gibt es hauptsächlich drei Gruppen von Menschen, die auf Facebook und Co. ihre Meinungen verbreiten.
Fraktion 1: Diejenigen, die alles glauben, was ihnen die Medien und Politiker vorkauen, die alles über Corona, Fallzahlen und die aktuellen Zustände in unserer Welt unhinterfragt ins Netz stellen und hinausposaunen.
Fraktion 2: Diejenigen, die gar nichts glauben, was ihnen die Medien und Politiker vorkauen, die alles über Corona, Fallzahlen und die aktuellen Zustände in unserer Welt als Verschwörungstheorien und Fakenews abtun und betiteln.
Fraktion 3: Diejenigen, die sich alles anhören, was ihnen die Medien und Politiker vorkauen, dabei aber gleichzeitig alles über Corona, Fallzahlen und die aktuellen Zustände in unserer Welt abwägen, recherchieren und versuchen, Ordnung in das ganze Chaos der Informationsflut zu bringen. Zu dieser Fraktion zähle ich mich übrigens selber auch. Und ich kann Euch sagen, man erlebt so einiges, hauptsächlich auf Facebook, wenn man den ersten beiden Fraktionen nicht nach dem Maul redet und Fakten oder alternative Meinungen zu 1 und 2 präsentiert. Das geht über Beschimpfungen, Diffamierungen bis hin zu persönlichen Beleidigungen. Man wird als Systemtroll betitelt, als weltfremd und menschenverachtend. Und das liegt hauptsächlich daran, dass sowohl Fraktion 1 und 2 denken, dass sie unwiderruflich recht und die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Doch woher beziehen wir alle hauptsächlich unsere Infos und unser Wissen über das, was gerade auf der Welt passiert? Richtig, aus den Medien! Und diese berichten heute so und morgen so. Kleines Beispiel gefällig? Okay … zuerst verbreitete die „Welt am Sonntag“ die Nachricht, dass Trump die Firma CureVac in Tübingen kaufen will. Der Aufschrei und die Berichterstattung in den Medien war gross. Und zwei Tage später dementierte „Der Spiegel“ Trumps Kaufinteresse. So, was stimmt nun? Richtig, wir wissen es nicht … und wir werden es wahrscheinlich auch nie erfahren. Und so verhält sich das auch mit allem anderen, was derzeit über Corona und Covid-19 berichtet wird! Darum sollten sich mal alle Mitglieder der Fraktion 1 und 2 mit ihrem unwiderruflichen Wissen eines ganz deutlich hinter die Ohren schreiben: Keiner von Euch hat zu 100 % Recht! Hört endlich auf, so verbittert an Eurer vorgefertigten Meinung festzuhalten, denn das hilft in dieser Situation keinem! Seid offen, wägt ab und respektiert die andere(n) Seite(n) … denn die Wahrheit liegt irgendwo zwischen all dem, was berichtet wird!

So, kommen wir jetzt noch zu den Menschen, die ich vorher schon angesprochen habe und die derzeit meinen, dass die Versorgung mit Klopapier und Nahrungsmitteln morgen endet. Diejenigen, welche die Regale in den Supermärkten leer kaufen und sich mit Tetrapackmilch beschmeißen, um an die letzte Packung Klopapier zu kommen (diese Situation hab ich selber erlebt!). Obwohl, zu denen muss man eigentlich gar nichts mehr hinzufügen … Dieses Verhalten ist über alle Maße unverantwortlich, asozial und egoistisch. Nun, was soll ich sagen: Die ganze Welt ist in diesen Tagen wohl aufgebracht, nervös und ängstlich. Aber so ein Verhalten hilft keinem.

Daher mein Appell an Euch alle: Respekt, Ruhe und Verständnis sind in diesen Tagen angebracht. Wir sind alle durch den Wind, aber nur gemeinsam können wir diese schwere Krise durchstehen. Lasst uns den vielen Kranken und Toten auf der ganzen Welt gedenken, ihren Angehörigen mental Kraft schicken und lasst uns die nächsten Wochen hauptsächlich daheim verbringen, damit wir alle so schnell wie möglich weiterleben können, wie früher … und dabei vielleicht menschlich ein Stückchen näher zusammenrücken.

Text und Foto: Boris Mönnich

 

Kultobjekt Sneaker

Wir alle lieben sie, wir alle tragen sie! Die Rede ist natürlich von Sneakern. Im Lauf der Jahrzehnte haben die trendigen Treter eine enorme Entwicklung durchgemacht: Vom einfachen Turnschuh hin zum ultimativen Modeaccessoire, das beinahe zu jedem Outfit getragen werden kann – egal, ob von Männern oder Frauen.

Als Turnschuh bezeichnet man heutzutage eigentlich nur noch, was auch wirklich beim Sport getragen wird, Sneaker dagegen gehen immer. Dabei sind diese nicht viel mehr als aufgestylte Turnschuhe, oftmals mit allen möglichen Details wie Strass und Bling verziert. Beinahe jedes Fashion-Label der Welt hat heutzutage Sneaker im Sortiment – egal ob Mainstream-Modelabels wie H&M und New Yorker oder High-Fashion-Marken wie Prada, Gucci, Alexander McQueen und Balenciaga. Ebenso sind Kollaborationen mit Labels wie Off White oder Supreme bei Sneaker-Fans aktuell total angesagt und für viele eine lohnenswerte Geldanlage, ein ikonisches Statussymbol, ein Business!

Woher kommt der Begriff Sneaker?

Der Begriff als solcher taucht zum ersten Mal gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Es ist ein amerikanischer Slang Ausdruck und leitet sich von „to sneak“, also schleichen, ab. Doch jeder, der auch nur ein bisschen Englisch versteht, weiß, dass Sneaker übersetzt nicht Turnschuh bedeutet. Kinder nannten aber damals ihre Schuhe mit Gummisohlen Sneaker, weil sie sich mit ihnen leise anschleichen konnten. Damit bildeten sie das Gegenstück zu den gebräuchlichen Schuhmodellen mit harter Ledersohle, deren Markenzeichen das laute Auftreten war. Der Werbeprofi Henry McKinney etablierte den Begriff dann Anfang des 20. Jahrhunderts in Zeitungen und in der Werbung. Doch von damals war es noch ein langer Weg, bis der Sneaker zum Kult-Schuh wurde, der er heute weltweit ist – den Männer sogar zum Anzug und Frauen zu Kleidern tragen können.

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Hippe Sneaker passen zu allen Outfits.   Foto (c) by Pixabay

Die erfolgreichsten Sneaker aller Zeiten

Sneaker sind praktisch, leicht und auch äußerst flexibel. Doch anstatt sich nach dem Sport komplett umzuziehen, behielten viele Menschen die bequemen Schuhe einfach an. Von Baseball über Tennis bis hin zum Cricket: Eigentlich wurden diese Schuhe ursprünglich für sportliche Tätigkeiten konzipiert. Die einflussreichste Sportart für Turnschuhe war allerdings Basketball. 1936 ernannte die US-Basketball-Nationalmannschaft den Chuck Taylor All Star zu ihrem offiziellen Schuh und holte damit im selben Jahr Olympisches Gold. Converse erfand 1917 diese Sneaker und auch genauso lange, also seit über 100 Jahren, wurde fast nichts am Design der stylischen Canvas-Schuhe verändert. Ihren Namen verdanken die Kult-Sneaker dem ehemaligen Basketballspieler und Converse-Mitarbeiter Charles Hollis Taylor, den aber alle nur Chuck Taylor nannten. Er soll 1921 die Firma Converse mit Verbesserungsvorschlägen kontaktiert haben, weil ihm nach dem Basketball-Spielen immer die Füße schmerzten. Daraus entstand dann eine enge Zusammenarbeit – die damit gipfelte, dass der Sneaker in Chuck Taylor All Star umbenannt wurde und fortan dessen Signatur auf dem Stern an der Seite trug. Die klassischen Chucks waren geboren. Bis heute wurden davon mehr als eine Milliarde Modelle verkauft – damit ist er der erfolgreichste Sneaker aller Zeiten. Ob Hippie, Punk, Grunge oder High Fashion – über Jahrzehnte wurden die Kult-Sneaker immer wieder neu entdeckt. Zahlreiche Stars wie Nirvana-Sänger Kurt Cobain, „The King“ Elvis Presley, Schauspieler wie James Dean, Joaquin Phoenix oder Kirsten Steward trugen und tragen sie gerne. Mick Jagger bewies bereits 1971, dass Hochzeit und Chucks sich auf keinen Fall ausschließen: Der Rolling-Stones-Frontmann heiratete nämlich in einem grünen Dreiteiler kombiniert mit weißen Chucks. Sogar Daniel Redcliff war als Harry Potter im Film „Der Orden des Phönix“ in den Kult-Tretern zu sehen. Und spätestens seit Carine Roitfeld, die Chefredakteurin der französischen Vogue, 2007 in einem goldenen Paar Chucks bei den Fashion Shows in Mailand erschien, sind sie absolut in der Gesellschaft angekommen. 

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Die Converse Chuck Taylor sind die erfolgreichsten Sneaker der Welt.   Foto (c) by Pixabay

Die ikonischsten Sneaker der letzten Jahre

Doch nicht nur Chucks sind heutzutage absolute Mode-Ikonen, nein, auch viele andere Modelle diverser Labels genießen mittlerweile absoluten Kult-Status – zum Beispiel die Air Jordans. Damals, im Jahr 1984, designte Nike die Schuhe für Basketballlegende Michael Jordan. Diese waren schwarz-rot und verstießen somit gegen die Farbbestimmungen innerhalb der NBA. Jordan trug sie trotzdem, musste Strafe zahlen und machte die Sneaker so zum Kassenschlager. Bis heute existieren etwa 30 verschiedene Designs. Doch Jordans sind mehr als nur Schuhe – sie machten die schwarze Subkultur in den USA zum Mainstream. Endgültig zum Statussymbol wurden Sneaker dann durch das Aufblühen der Hip-Hop Kultur – von welcher auch die Marke Adidas profitierte. Denn 1986 verhalfen die Rapper von Run DMC mit ihrem Song „My Adidas“ dem Modell Superstar zu Weltruhm. Die Single brachte dem Hip-Hop-Trio einen Deal mit dem deutschen Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach ein, der sich auf 1,6 Millionen Dollar belaufen haben soll. Bis heute hat der Adidas Superstar mit Sicherheit eine der ikonischsten Silhouetten im Sneaker-Universum und feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.

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Der Adidas Superstar feiert 2020 seinen 50. Geburtstag.   Foto (c) by Pixabay

Sneaker als begehrtes Sammlerobjekt

Aber auch heute noch haben Musiker einen großen Einfluss auf den Sneaker Hype. DJ Khaled, Jay-Z oder Eminem werden nicht nur für das Tragen der Schuhe bezahlt, sondern designen sie auch selbst. Ebenso wie der US-amerikanische Rapper, Sänger und Musikproduzent Kanye West. Dieser veröffentlichte im Jahr 2015 in einer Kollaboration mit Adidas den Yeezy Boost 750. Zuvor hatte West schon einige Yeezy-Modelle beim Label Nike herausgebracht, diese Zusammenarbeit ging aber wegen künstlerischen Differenzen 2014 in die Brüche. Die Yeezys von Adidas leiteten dann ein neues Hoch in der Sneakerszene ein. Sie waren bei jedem neuen Release innerhalb ein paar Stunden ausverkauft und sind bis heute sehr teuer auf dem Zweitmarkt zu erwerben. Adidas stellte damals nur 9000 Paar der Yeezy Boost 750 her, welche für 350 Dollar pro Stück verkauft wurden. Dadurch konnte das Angebot natürlich bei weitem nicht mit der Nachfrage mithalten, was den Hype noch mehr verstärkte. Um ein Paar dieser begehrten Schuhe zu bekommen, zelteten die meist jungen Fans vor ausgewählten Sneakerstores – oft tagelang! An viele Modelle der Yeezys kam man auch nur durch sogenannte Online- oder Instore-Raffles. Übersetzt heißt das so viel wie Verlosung. In der Regel wird bei so einem Raffle für einen Sneaker-Release aber nur das Kaufrecht und nicht der Schuh selbst verlost. Das bedeutet, man muss für den Schuh trotzdem den vollen Preis zahlen, bekommt ihn aber auf jeden Fall. Viele der Sneaker-Fans, die in der Szene als Sneakerheads betitelt werden und so an eines der begehrten Modelle kommen, tragen die Schuhe aber nicht zwangsläufig selber, sondern verkaufen sie im Internet zu horrenden Preisen weiter – genannt wird das Ganze dann Resell. Es gibt aber natürlich auch solche Fans, die die begehrten Schuhe sammeln. Einer von ihnen ist Danijel Balasevic aus Stuttgart. Angefangen hat es bei dem 34-Jährigen mit der Leidenschaft für Sneaker, als er 18 Jahre alt war. Sein allererstes Paar waren die Nike Air More Uptempo B. „Die 285 DM dafür musste ich mir damals während der Schulzeit selber dazu verdienen“, erzählt Balasevic. „Und ich habe die Schuhe wirklich so lange getragen, bis die Sohle quasi nicht mehr vorhanden war!“. In Stuttgart gibt es wohl kaum jemanden, der sich besser mit Sneakern auskennt, als er. Wen wundert es da, dass Danijel Balasevic auch Mitbegründer der Sneaker-Messe Kicks-N-Coffee und des Sneakers-Stammtisches ist. Rund 400 Paar Schuhe hat er heute in seiner Sammlung. „Es gab aber auch Zeiten, da waren es fast doppelt so viele“, lacht der sympathische Familienvater. In den letzten zehn Jahren sei der Markt im Bereich Sneaker laut Balasevic förmlich explodiert. Ihm geht es auch nicht ausschließlich um die Schuhe, sondern vielmehr um die Menschen, die man mit der Zeit in der Szene kennenlernt. „Da entstehen oft tolle Kontakte und Freundschaften!“

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Sneaker-Fan Danijel Balasevic mit einer Replica seiner ersten Nike Air More Uptempo B.   Foto (c) by Boris Mönnich

Ein ebenfalls großer Sneaker-Fan ist Aydin Yildiz. Der 50-Jährige betreibt seit 1993 den Sneaker-Store Home Run. Damals befand sich der Laden am Holzmarkt in Ludwigsburg, dann in der Seestraße und mittlerweile verkauft Yildiz die trendigen Sneaker in der Körnerstraße. „Sneaker sind sehr vielfältig“, erklärt er. „Für mich produziert Adidas die besten Retro-Modelle. Natürlich gibt es aber auch noch andere coole Marken wie Nike oder Puma!“ Begonnen hat Aydins Sneaker-Leidenschaft mit einem ganz besonderen Modell: Dem Adidas Micropacer 2 mit eingebautem Schrittzähler aus den frühen 1990er Jahren – heutzutage ein wahres Kultobjekt für Sammler. In seinem Store hat er ein Paar davon, die er hütet wie seinen Augapfel. „Dieser Schuh ist für mich etwas ganz besonderes“, schwärmt Yildiz, „ich verbinde damit sehr viele Erinnerungen!“

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Aydin Yildiz in seinem Home Run Store in Ludwigsburg mit dem Adidas Micropaser 2 in der Hand.   Foto (c) by Boris Mönnich

Die richtige Pflege für Sneaker

Für alle diejenigen, die ihre  Sneaker lieber tragen, als sie zu Höchstpreisen wieder zu verkaufen, stellt sich oft eine Frage: Wie pflegt und reinigt man seine Lieblingsstücke eigentlich richtig? Denn der Albtraum eines jeden Sneaker-Liebhabers sind vergilbte Stellen, tiefe Flecken im Canvas und dreckiges Mesh. Doch der wohl schlimmste Moment ist der, wenn man sich von seinen liebsten Schätzen trennen muss, weil sie abgetragen und total verschmutzt ihren Weg auf die Straße nicht mehr finden! Tatsächlich gibt es aber Menschen, die einen vor solch schrecklichen Moment bewahren und helfen können. Einer von ihnen ist Marcello Casula aus Allmersbach im Rems-Murr-Kreis. Der 36-Jährige hat vor knapp zwei Jahren die Firma „Cleanmysneaker“ gegründet und bringt schmutzige Sneaker wieder zum Strahlen. Mit dem Nebenjob im Keller seines Reihenhauses hat Casula einiges zu tun. Inspiriert wurde er durch den Sneakercleaner Jason Markk aus Los Angeles, dort bereits eine Legende. Auch in vielen deutschen Großstädten ist so ein Service schon lange im Trend und sehr rentabel für die Anbieter. „Ich glaube aber, hier in der Region Stuttgart bin ich so ziemlich der Einzige, der so etwas macht“, erzählt Casula. Zwischen 30 bis 40 Paar Schuhe reinigt er mittlerweile pro Monat – und alles von Hand. „Die Waschmaschine kommt bei mir nicht in Frage“, erzählt er. „Davon rate ich grundsätzlich ab, denn die meisten Sneaker vertragen so eine Prozedur nicht!“ Außerdem gibt es noch ein paar weitere grundsätzliche Dinge, die man bei der Reinigung seiner Schuhe beachten muss: „Man sollte auf jeden Fall nicht zu lange warten, bis man mit der Reinigung der Schuhe beginnt“, erklärt Casula. „Und bevor man loslegt, sollte man die Sneaker immer abbürsten und nach der Reinigung wieder gut imprägnieren!“

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Sneakercleaner Marcello Casula bei der Arbeit.   Foto (c) by Boris Mönnich

Die teuersten und hippsten Sneaker der Welt

Der Rekordpreis für ein Paar Sneaker liegt übrigens bei 11,49 Millionen Euro für das knöchelhohe Model der Nike Air Yeezy 2 Red October. Die Farbgebung der Schuhe, in diesem Fall ein grelles Rot, kann entscheidend sein, ob ein Modell hipp ist oder als einfache Massenware gilt. Apropos Farbe: Egal, welches Label, die hippsten und beliebtesten Sneaker sind seit Jahren weiß – wie die Stan Smith von Adidas oder die Air Force One von Nike. Dieser cleane Look passt einfach zu allem, was Männer und Frauen so im Kleiderschrank haben. Bereits im Jahr 1985 trug Joschka Fischer weiße Nike-Sneaker und sorgte damit für einen Tabubruch, als er sich mit diesen Schuhen im Landtag als erster hessischer Umweltminister der Grünen vereidigen ließ. Wie sich die Zeiten doch ändern – heutzutage hätte damit wohl niemand mehr ein Problem. 

Text: Boris Mönnich
Fotos: Pixabay / Boris Mönnich

Erstveröffentlichung: top magazin Stuttgart 2020

 

Der harte Weg ins Modelbusiness

Nicht erst seit dem Heidi Klum mit „Germanys next Topmodel“ die Bildschirme der Nation erobert hat, ist es der Traum vieler junger Menschen, sich und die neuesten Kollektionen bekannter Modelabes auf Laufstegen und Fotos zu präsentieren. Allerdings schaffen es nur die wenigsten, ein gefragtes Model zu werden. Doch Alexander Gutbrod hat es geschafft.

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Alexander Gutbrod ist seit Jahren ein gefragtes Model

Auf Instagram und Facebook finden sich unzählige Selfies von gutgebräunten Fitnessstudio-Typen. Nur selten handelt es sich hier aber um tatsächlich erfolgreiche Models. Doch was sind eigentlich die Grundvoraussetzungen, um als Mann erfolgreich im Modelbusiness zu sein? „Auf die Ausstrahlung kommt es an, mehr als auf irgendwelche genormten Maße“, weiss Alexander Gutbrod aus eigener Erfahrung. Der 39-jährige modelt seit über 10 Jahren. „Auch körperliche Fitness ist unerlässlich, zumal man als Model lange Ausdauer beweisen muss!“ Gutbrod selbst stand schon für Labels wie Lagerfeld und Chanel vor der Kamera und wurde für Werbekampagnen großer Firmen wie Porsche, Bosch oder der AOK gebucht. Und das bei einer, für männliche Models eher untypischen Größe von nur 1,70 Meter. Eigentlich ist eine Körpergröße von 1,80 bis 1,90 Meter für die meisten Jobs geradezu eine Grundvoraussetzung, um kommerziell erfolgreich zu sein – wie allgemein angenommen. Ein athletischer Körperbau ist sicherlich nicht hinderlich, ein Waschbrettbauch ist trotzdem kein Muss. „Aber gerade meine Größe ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche“, erklärt Gutbrod. „Vor allem die Autofirmen sind froh, wenn sie für ihre Kampagnen Models haben, die nicht so groß sind. Ansonsten ist es in meinem Job, wie bei den meisten anderen auch: Auf die Leistung kommt es an!“ Und die bringt der sympathische junge Mann auf jeden Fall mit. Dies haben auch bereits große Magazine wie das Cosmopolitan und bekannte Musiker wie Rapper Kayef gemerkt, der Gutbrod für eines seiner letzten Musikvideos gebucht hat. 

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Der sympathische Sunny-Boy steht heute offen zu seiner Homosexualität. Das war nicht immer so. „Ich komme aus einem sehr konservativen Elternhaus“, erzählt er. „Meine Familie gehört zu den Zeugen Jehovas – etwas, dass sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe nicht verträgt.“ Darum hatte er nach seinem Outing und dem Austritt aus der Glaubensgemeinschaft auch jahrelang keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. „Mittlerweile hat sich die Situation zu einem Teil der Familie etwas entspannt. Darüber bin ich wirklich froh!“ Dass er irgendwann mit seinem Aussehen einmal Geld verdienen würde, war nie der Plan des gebürtigen Leonbergers, der als Kind eher mollig und für den körperliche Fitness früher eigentlich nie ein Thema war. Mit 28 Jahren änderte sich das dann: Er entdeckte seine Affinität für Mode, Lifestyle und Sport. Heute hält er sich mit Latin Dance und Kampfsport fit, geht regelmässig ins Fitnessstudio und achtet sehr auf seine Ernährung. Doch der größte Schritt in Richtung Modebranche kam für Gutbrod, als die Firma, bei der er zehn Jahre als Kaufmann arbeitete, sich neu ausrichtete. „Das war war wie eine Art Initialzündung für mich“, erzählt Gutbrod. „Ich habe damals auch einen Neustart gewagt und mich zum Diplommoderator, -coach und Charakterdarsteller an einer Privatschule ausbilden lassen. Für mich waren Schauspielerei, Fotografie und Werbung schon immer von großem Interesse.“ Als er dann vor sieben Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, standen für ihn die Zeichen aber nicht gerade auf Erfolg, denn die Jobs waren anfangs rar und die Gagen bescheiden. „In so einer Situation versucht man sich an Projekten, die man heutzutage nicht mehr anstreben würde“, erzählt Gutbrod und spielt damit auf seinen Auftritt in der Pseudo-Doku-Soap „X-Diaries“ für RTL an. Vier Wochen wurde auf Ibiza gedreht, die Folgen dann aber letztendlich nie ausgestrahlt. Trotzdem hat ihm dies in der Anfangszeit viel Erfahrung eingebracht. Im Jahr 2019 war Gutbrod dann in der Sendung „Prince Charming“ des Streaminganbieters TVNOW zu sehen. Dort wurde er Fünfter und sicherte sich ein Platz in den Herzen der Zuschauer. Ab April diesen Jahren läuft „Prince Charming“ übrigens auf dem Free-TV-Sender Vox. „Das war eine abenteuerliche und tolle Zeit“, so Gutbrod. „Deshalb freue ich mich umso mehr, dass die Sendung mit dem Grimme Preis 2020 in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnet wurde!“

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Auf dem Weg, die Karriereleiter nach oben zu erglimmen, ließ sich Alexander Gutbrod nie beirren. Mittlerweile ist er ein gefragtes Model und hat sogar sein eigens Parfum-Label am Markt platziert. „Damit habe ich mir selbst einen riesengroßen Traum erfüllt“, strahlt Gutbrod, der aktuell in Beilstein lebt. Sechs Düfte hat der 38-Jährige mit seinem Label „AG by Alexander Gutbrod“ vor zwei Jahren bereits lanciert, die sowohl von Männern und Frauen getragen werden können. „Es war ein langer Weg bis zur Veröffentlichung“, erzählt er. „Aber dafür war ich mit dem Ergebnis um so zufriedener! Die Düfte sind mittlerweile ausverkauft.“ Und darum gibt es seit Ende März 2020 auch einen neuen Männerduft aus dem Hause Gutbrod, allerdings unter dem neuen Label „Rebellion“. „Wir haben damit einen kompletten Neustart hingelegt“, verrät er. „Super Marketing, eine imposante Homepage und natürlich einen tollen Duft namens Ego!“

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(Werbung) Der neue Duft von Rebellion by Alexander Gutbrod: „Ego“.

Einen Traum hat Alexander Gutbrod aber immer noch, der sich bisher nicht erfüllt hat: „Einmal für Hugo Boss vor der Kamera stehen! Das wär’s!“ Und wer weiss, vielleicht gelingt ihm das in absehbarer Zeit auch noch, denn das Glück ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen. 

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Alexander Gutbrod und der Bo beim chilligen. sommerlichen Gespräch in Ludwigsburg

http://www.alexander-gutbrod.de
http://www.rebellion-parfum.de

Text: Boris Mönnich
Fotos: Gordon Below / Boris Mönnich

Erstveröffentlichung: top magazin Stuttgart 2018 / Ludwig 2018 / Neumann 2018